Clau Dermont

politikwissenschaftler, rumantsch, bergler

Spirituellere Politik

Angekommen in Vientiane sind die Unterschiede schnell offensichtlich. In Laos ist die Stimmung ruhiger und gemütlicher sowie der Buddhismus allgegenwärtig. Obwohl Laos auch ein kommunistisches Land ist, scheint der Umgang mit der Religion und der Kultur anders zu sein. Ob das daran liegt, dass die KP damals von einem Prinz mitgegründet wurde, oder eine kulturelle Revolution nach chinesischem Vorbild ausgeblieben ist, kann ich nicht sagen. Jedenfalls scheint die Politik in Laos die buddhistische Tradition verinnerlicht statt verdrängt zu haben.

Nach der Hauptstadt bin ich Richtung Norden gegangen, wo ich eigentlich direkt landen wollte. Einen Zwischenstopp habe ich im mittlerweile beruhigten (und nicht mehr berüchtigten) Vang Vieng eingelegt. Statt Party und tote Touris wird jetzt ein Naturtourismus angestrebt.

Als spirituelles Zentrum gilt Luang Prabang, wo Pagoden und Mönche das Stadtbild, sonst im Kolonialstil gehalten, prägen. Grade weil als Weltkulturerbe geschützt zieht Luang Prabang viele Touris an, was grade bei chinesischen Tourigruppen und ihrem allgegenwärtigen Lärm und teils fehlendem Respekt beim morgendlichen Almosengang dazu führt, dass dies aus dem Stadtbild zu verschwinden droht. Auf dem Nachtmarkt sind lokale Produkte jedenfalls zu suchen zwischen den Billigimporten und Massenprodukten…

Ursprünglicher ist dabei das Dorfleben der Hmong und Khmu, welche eher in den waldigen Hügeln zu finden sind und deren Dörfer teils mittelalterliche Züge haben. Allerdings auch hier: die Menschen sind zufrieden und meist lächelnd, auch wenn ihr Lebensstil mit unserem kaum zu vergleichen ist und der Einfluss der Regierung sich auf ein Schulgebäude und günstigeren Solarzellen reduziert. Wir durften in ihen Bambushütten übernachten und an ihrem Feuer auf dem Boden teilhaben, sogar ein Mäuseragout wurde uns angeboten, wo wir aber lieber die Kürbissuppe gewählt haben.

Zurück in Luang Prabang habe ich noch einige weitere Klöster besucht, welche im typischen Stil gehalten sind und meist rot oder schwarz mit Goldverzierungen kombiniert. Leider hat es mir zeitlich nicht mehr für einen weiteren Ausflug in den Norden gereicht, sodass ich ein andees Mal nach Laos zurück kommen muss. Ich habe mich dafür mit einer zweitägigen Mekongfahrt an die thailändische Grenze aufgemacht, wo ich schliesslich an Weihnachten angekommen bin. Stilecht und oberkitschig mit Tannenbaum und Bigband auf der Strasse gabs Nudelsuppe und Curry statt Fondue oder Spätzli.

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