Clau Dermont

politikwissenschaftler, rumantsch, bergler

China 2012

Ob in Beijing oder auf 5000 Metern: China fordert dich heraus. In jeglicher Hinsicht ist China intensiv und anstrengend, insbesondere wenn so gereist wird, wie Clau sich das vorstellt.

China, das Land der Mitte, der Teehäuser, des Kommunismus. Ich bin mit vielen Vorstellungen nach China gereist, umso mehr Eindrücke habe ich zurück genommen. Nicht unbedingt die schönsten Seiten Chinas! Denn vieles findet man anders als erwartet oder gar nicht vor…

Angekommen in Beijing, begrüsst China dich zuerst mal mit Smog, 40° und eine Luftfeuchtigkeit, durch die man schneiden könnte. Wenn dazu noch die Beijinger kommen wirds, naja, leicht mühsam. Beijing ist eine Stadt mit viel Stolz: die Hauptstädter verstehen sich als solche und geben einiges darauf. Beijing ist auch eine Stadt mit viel Tempo, und Rücksicht ist nicht unbedingt bekannt. Erstaunt hat beispielsweise das Rugby-System der Metro: statt warten, bis alle ausgestiegen sind, wird zuerst eingestiegen. Wer nicht rempelt bleibt hängen – und landet je nachdem in der falschen Station. Tja.

Von der Tradition der Kaiserdynastien ist ausser der dem Gerippe der Verbotenen Stadt (welche nur leere Gebäude aufweist, alles andere ist in Taiwan) und dem dort vertretenen ‚Emperor-Style‘ nicht mehr viel zu finden. Beispielsweise noch der Yonghe-Tempel, im selben Emperor-Style, den grössten Propaganda-Tempel in Beijing (‚wir respektieren Buddhismus‘) inklusive vom Regime gedultete ‚Mönche‘, sowie einige weitere kleinere Tempel und Gedenkstätten. Ansonsten ist Beijing durchflutet von der Moderne und durchsetzt mit Hutongs als letzten Überbleibsel des Alten: Die, welche noch nicht für moderne, teure Wohnungen abgerissen wurden, stellen das Chaos in Perfektion dar, von 1-Zimmer-Baracken bis zu Innenhof und einer Vielfalt an den kleinsten ‚Restaurants‘ und Läden.

Kein Wunder, hat uns die Reise alsbald raus aufs Land und in die Berge geführt. Zuerst für einen Tag an die Grosse Mauer, danach Tibet-ähnlich – oder zumindest so ähnlich wie es einem als Tourist gelingen kann, ohne in Tibet selbst zu sein, führte uns die Reise über Xiahe und Langmusi durch die Grassteppen. Tibetische Mönche und das Labrang-Kloster, inklusive Pferdetrekking und Wandern gaben uns die Möglichkeit, den Han-Chinesen (96%) auszuweichen. Obwohl die Authentizität dieser Orte bereits arg angekratzt ist vom chinesischen Car-Tourismus, war es verglichen zu Beijing fast angenehm leer.

Nach einem Zwischenhalt in Chengdu, wo es definitiv am Schärfsten war, ging’s noch ein letztes Mal in die Berge. Raus in die Nähe des Siguniang Shan, dem Gebirge der vier Schwestern. Und rauf auf die älteste (und kleinste) davon, immerhin mehr als 5000 müm! Ja, ich kenne jetzt die Idee hinter der ‚dünnen Luft‘.

Fazit: China hat eine unglaubliche Natur und eine enorme Weite. Das Land lebt mit anderen Dimensionen, aber auch noch in einer anderen Phase der Entwicklung der Gesellschaft. Ich habe das Gefühl, dass viele sich ohne Kulturkompass bewegen – und in der Transition vom Kommunismus zu einem Kapitalismus verloren gehen. Das Essen ist nicht nur günstig, sondern in den meisten Fällen auch genial – und nicht nur scharf. Aber irgendwie… ich bin froh, war ich da, so schnell muss es dann aber nicht wieder sein…

China sind so viele Eindrücke, an jedem Ort, in jeder Situation. Deshalb habe ich mich bei der Auswahl der Bilder auch schwer getan – dafür hast du umso mehr anzuschauen. Viel Spass ;)

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